Vibe Coding für Architekten: Was möglich ist – und wo Phase0 den Unterschied macht

Das Wichtigste in Kürze:
- Vibe Coding beschreibt das Erstellen von Software durch natürlichsprachliche Beschreibungen an ein KI-Modell – ohne Programmierkenntnisse.
- Im Planungsbüro eignet sich der Ansatz gut für einfache, maßgeschneiderte Tools wie Listen, Tracker oder interne Nachschlagewerke.
- Für normkonforme Prozesse wie AVA, HOAI-Honorarberechnung oder GAEB-Export stoßen selbst gebaute Tools an strukturelle Grenzen.
Was ist Vibe Coding?
Der Begriff „Vibe Coding" geht auf KI-Forscher Andrej Karpathy zurück, der Anfang 2025 beschrieb, wie er Software entwickelt, ohne den generierten Code wirklich zu verstehen – vollständig auf die KI vertrauend, iterativ promptend.
“I'm building a project or webapp, but it's not really coding – I just see stuff, say stuff, run stuff, and copy-paste stuff, and it mostly works."
Statt selbst zu programmieren beschreibt man in natürlicher Sprache, was eine Anwendung tun soll, und das KI-Modell schreibt den Code. Die Attraktivität liegt auf der Hand: kein Lernaufwand, kein Entwickler, sofortiger Output.
Was als Entwickler-Trend begann, hat sich schnell verbreitet: Laut dem State of Vibe Coding Report von v0 by Vercel sind 63 % der Vibe-Coding-Nutzer keine Entwickler – sondern Projektmanager, Geschäftsführer oder Fachplaner, die ein Problem lösen wollen, ohne auf IT-Ressourcen zu warten.
KI im Planungsbüro: Status Quo
Die Bundesarchitektenkammer (BAK) hat im November 2025 die Ergebnisse ihrer berufspolitischen Befragung veröffentlicht – mit über 15.600 Teilnehmenden eine der größten Erhebungen zum Thema in der DACH-Region. Das Ergebnis ist eindeutig: Erst 29 Prozent der Architektinnen und Architekten nutzen Künstliche Intelligenz im Planungsbüro – und das meist noch in der Erprobungsphase.
Auffällig ist die Verteilung: Große Büros mit mehr als 25 Beschäftigten nutzen KI deutlich häufiger als kleine Strukturen oder Einzelunternehmen. Gleichzeitig nennen 90 Prozent der KI-Nutzer Schwierigkeiten beim Einsatz – fehlende verlässliche Datensätze, mangelnde Erfahrung und Kompatibilitätsprobleme mit bestehender Software.
Als Grundvoraussetzung für den Einsatz nennen die Befragten vor allem: Datenschutz, sichere Datenhaltung und nachvollziehbare Ergebnisse mit klarer Hoheit über Planungsentscheidungen. Diese Anforderungen sind kein Zufall. Sie beschreiben die Lücke, die Vibe Coding im Planungskontext hinterlässt und stehen im Fokus des KI-Kodex der Architektenschaft.
Was lässt sich mit Vibe Coding im Architekturbüro umsetzen?
Für eine Reihe von Aufgaben ist Vibe Coding im Büroalltag sinnvoll einsetzbar. Verbreitete Beispiele sind:
- Interne Listen und Tracker: Materialproben, Ausgaben, Kontaktübersichten – klar strukturierte Anwendungen ohne normierte Exportformate und externe Abhängigkeiten.
- Checklisten und einfache Formulare: Leistungsphasen-Checklisten, Begehungsprotokolle oder Mängellisten als browserbasierte Anwendung.
- Statische Nachschlagewerke aus öffentlichen Texten: Interaktive Suchoberglächen oder einfache Rechner mit Verordnungstexten aus der HOAI oder der VOB
- Dokumenten-Indexer und interne Suchen: Bürodokumente durchsuchbar machen ohne vollständiges DMS
Der gemeinsame Nenner: klar abgegrenzte Aufgaben, keine sensiblen Personendaten, keine normierten Ausgabeformate. Für dieses Profil ist Vibe Coding eine echte Ergänzung des Werkzeugkastens.
Praxisbeispiele von Vibe Coding im Planungsbüro finden sich bei Internet für Architekten.
Vibe Coding in der Planer-Praxis
Der typische Ablauf: Ein Tool wird per Prompt gebaut, ein Ergebnis erscheint. Dann beginnt die Einordnung ins Projekt: Stimmen die Ausgaben mit den Projektdaten überein? Ist das Ergebnis normkonform? Lässt es sich in den laufenden Prozess überführen – oder muss es dafür erst manuell aufbereitet werden?
Diese Prüfschritte sind nicht optional. Sie gehören zur planerischen Sorgfaltspflicht. Und sie fressen einen erheblichen Teil der Zeit zurück, die durch schnelles Generieren gewonnen wurde. Geschwindigkeit beim Generieren ist nicht dasselbe wie Effizienz im Planungsprozess.
Eine Analyse von 470 Open-Source-Pull-Requests durch das Sicherheitsunternehmen CodeRabbit zeigt: KI-generierter Code enthält im Schnitt 1,7-mal mehr Issues als manuell geschriebener – darunter Logikfehler, Sicherheitsprobleme und Lesbarkeitsdefizite. Was in der Softwareentwicklung ein Review-Problem ist, ist im Planungsprozess ein Compliance-Problem.
Hinzu kommt: KI-generierte Outputs, die nicht in ein strukturiertes System eingebettet sind, hinterlassen keinen Audit-Trail. Wer was wann entschieden oder geändert hat, lässt sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen – ein Problem, das spätestens bei Nachtragsstreitigkeiten oder Projekteskalationen relevant wird.
Wo stößt Vibe Coding im Architekturbüro an seine Grenzen?
Sobald Planungsprozesse normkonform, datenintensiv oder rechtsrelevant werden, zeigen sich die Grenzen selbst gebauter Tools. Für jede der folgenden Anforderungen gilt dasselbe Muster: Theoretisch ist ein Ansatz denkbar – in der Praxis fehlt die nötige Tiefe.
GAEB-konforme Leistungsverzeichnisse
Eine durch Vibe Coding generierte Datei, die nie gegen den offiziellen Validator getestet wurde, scheitert häufig an Feldlängen, Zeichenkodierungen oder Pflichtattributen.
Theoretisch lässt sich ein KI-Modell anweisen, eine GAEB-Datei zu erzeugen. Das Modell kennt das Format aus öffentlich verfügbarer Dokumentation und produziert eine strukturell ähnliche Ausgabe.
In der Praxis ist GAEB ein streng versioniertes Austauschformat, das Vergabeportale und ausführende Unternehmen gegen genaue Spezifikationen prüfen. AVA-Software wird gegen den GAEB-Standard zertifiziert und regelmäßig auf Kompatibilität geprüft.
VOB-Konformitätsprüfung von Langtexten
Ein generisches Sprachmodell kann Formulierungen kommentieren, aber nicht belastbar prüfen.
Theoretisch kann ein KI-Modell einen Leistungstext gegen VOB-Anforderungen lesen, wenn man ihm den Verordnungstext als Kontext mitgibt. Für einfache, offensichtliche Fälle liefert das plausible Hinweise.
In der Praxis hängt die VOB-Konformität vom Gewerk, der Projektart und dem Vertragstyp ab. Eine vollständige, rechtlich belastbare Prüfung braucht ein Regelwerk, das spezifisch für den Bauprozess trainiert wurde und Ergebnisse dokumentiert nachweist – nicht einen Prompt, der bei jeder Sitzung neu formuliert wird.
HOAI-Honorarberechnung
Ein HOAI-Rechner per Vibe Coding bildet nur einen Bruchteil dessen ab, was eine rechtssichere Honorarabrechnung erfordert.
Theoretisch lässt sich eine Interpolationsformel aus den Honorartafeln ableiten und als einfacher Browserrechner umsetzen. Für eine schnelle Überschlagsrechnung ohne Verbindlichkeit ist das nützlich.
In der Praxis lassen sich Umbauzuschläge, Teilleistungsabrechnungen über einzelne Leistungsphasen, kombinierte Leistungsbilder nach AHO, DATEV-Export, XRechnung und die Verknüpfung mit laufender Zeiterfassung nicht per Prompt zusammenhalten. Eine vollständige HOAI-Software rechnet deshalb nicht nur aus, sie dokumentiert, archiviert und exportiert rechtssicher.
DIN 276 und projektübergreifende Kostenverfolgung
Eine Kostenschätzung ist ein lebendiges Dokument, das über den gesamten Projektverlauf fortgeschrieben wird. Dafür braucht es Persistenz, keine Chatbot-Session.
Theoretisch lässt sich eine Gliederung nach DIN-276-Kostengruppen als Tabelle erzeugen. Das KI-Modell kennt die Struktur und kann eine erste Schätzung vorschlagen.
In der Praxis braucht es eine Datenbasis, die persistent ist, mit anderen Modulen kommuniziert und revisionssicher gespeichert wird – mit Kostenfortschreibung über Leistungsphasen, Abgleich gegen Angebote und geprüfte Rechnungen.
Datenschutz bei realen Projektdaten
Wer reale Projektdaten in einen Chatbot eingibt, um daraus ein Tool zu bauen, bewegt sich datenschutzrechtlich auf unsicherem Terrain – unabhängig davon, wie nützlich das Ergebnis ist.
Theoretisch arbeitet Vibe Coding mit anonymisierten Beispieldaten oder öffentlichen Texten. Das wäre unproblematisch und liefert brauchbare Ergebnisse.
In der Praxis greift bei realen Projektdaten – Adressen, Honorarvereinbarungen, Bieterangebote – die DSGVO. Spezialisierte Software verarbeitet diese Daten auf europäischen Servern mit klar geregelten Auftragsverarbeitungsverträgen.
Wie KI in Fachsoftware anders funktioniert
Der Unterschied zwischen Vibe Coding und einer integrierten Plattform liegt nicht in der Leistungsfähigkeit der KI selbst, sondern in ihrer Einbettung in den Planungsprozess.
Die KI-Agenten von Phase0 kennen den Projektkontext: Leistungsphase, Kostenhistorie, laufende LVs, projektspezifische Vorgaben. Sie sind auf deutschen AVA- und Baudaten trainiert, kennen GAEB-Strukturen und VOB-Anforderungen. Outputs sind direkt anschlussfähig an die Kostenverfolgung und die Projektdokumentation – ohne separate Prüfschleife.
Das entspricht auch dem, was die BAK-Befragung als Anforderung benennt: nachvollziehbare Ergebnisse und Hoheit über Planungsentscheidungen. Beides lässt sich in einem integrierten System abbilden – in einem selbst gebauten Tool per Vibe Coding nur bedingt.
Fazit: KI im Planungsbüro braucht mehr als einen guten Prompt
Vibe Coding ist eine echte Erweiterung des Werkzeugkastens im Planungsbüro – für einfache, abgegrenzte Tools ohne Compliance-Anforderungen. Für frühe Konzeptphasen, persönliche Recherche oder Aufgaben ohne rechtliche Verbindlichkeit kann der Ansatz Zeit sparen.
Sobald ein Projekt in eine verbindliche Planungsphase übergeht – mit Ausschreibungen, Honorarabrechnungen, Teamkoordination und rechtlicher Haftung – reichen lose, selbst gebaute Tools nicht mehr aus. Die Anforderungen an Konsistenz, Nachvollziehbarkeit und Normkonformität lassen sich nicht durch schnelleres Prompten lösen.
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