Leistungsverzeichnis mit KI erstellen

KI Leistungsverzeichnis: Das Wichtigste in Kürze
- Über 60 Prozent der LV-Erstellung bestehen aus Routineaufgaben wie Normtexten, Standardpositionen und Einheiten – genau diesen Anteil kann KI übernehmen.
- KI generiert Positionstexte, erkennt fehlende Leistungen und erstellt in kurzer Zeit strukturierte, GAEB-konforme Leistungsverzeichnisse.
- Die fachliche Kontrolle bleibt dabei beim Menschen: ArchitektInnen prüfen, bewerten und tragen weiterhin die Verantwortung.
Ein vollständiges Leistungsverzeichnis für einen Rohbau mit 800 Positionen kann erfahrene ArchitektInnen vier bis acht Arbeitstage kosten. Und das bei einem Honoraranteil, der diesen Aufwand kaum abbildet. Doch der richtige Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann das ändern.
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5 Stolperstellen bei der manuellen LV-Erstellung
Wer regelmäßig Leistungsverzeichnisse erstellt, kennt die typischen Stolperstellen:
1. Alte LVs zu recyceln ist riskant.
Gerade wenn die letzte Ausschreibung etwas länger her ist, sind die alten Positionen möglicherweise nicht mehr anwendbar. Normen ändern sich ständig – und wer die alten Texte verwendet, riskiert Nachträge und im schlimmsten Fall Baufehler.
2. Normtexte suchen kostet Zeit.
Wer das STLB-Bau nicht auswendig kennt, verliert Stunden in Handbüchern und Datenbanken. Welche Nebenleistungen sind enthalten, welche müssen separat ausgeschrieben werden? Das muss entweder im Voraus recherchiert oder später nachgetragen werden.
3. Vergessene Positionen sind teuer.
Eine vergessene Schalungsposition oder eine nicht ausgeschriebene Abdichtung fällt oft erst auf der Baustelle auf. Solche Nachträge kosten nicht nur Geld, sondern auch das Vertrauen des Bauherrn; zumal sich die Fertigstellung deutlich verzögert.
4. Qualifizierte “Ausschreiber” sind Mangelware.
Erfahrene Bautechniker, die normensicher und GAEB-fit ausschreiben können, sind schwer zu finden (und teuer). Teilzeitkräfte oder Outsourcing lösen das Problem nur kurzfristig.
5. Der Zeitdruck ist strukturell.
Zwischen Entwurfsabschluss und Vergabetermin bleibt oft wenig Puffer. Gemäß HOAI wird die Leistungsphase 6 – gemessen am Aufwand – niedrig honoriert.
So erstellt KI ein Leistungsverzeichnis – Schritt für Schritt
KI übernimmt die Routinearbeit bei der LV-Erstellung im assistierenden Modus.
1. Input: Projektparameter eingeben
ArchitektInnen geben dem KI-System die wesentlichen Projektparameter an: Gewerk, Konstruktion, Materialien, Mengen, Expositionsklassen, Güten. Das kann als Freitext, strukturierte Eingabe oder direkt aus dem BIM-Modell erfolgen.
2. KI generiert den LV-Entwurf
Das System erstellt ein strukturiertes Leistungsverzeichnis mit Normtexten nach VOB/C, korrekten Einheiten und Abrechnungsregeln. Statt stundenlanger Textarbeit entsteht ein druckfertiger Entwurf in Minuten. Positionen, die häufig vergessen werden, schlägt das System proaktiv vor: Nebenleistungen, Abrechnungsregeln, Sondertatbestände.
3. Fachkraft prüft und gibt frei
Der Entwurf wird von ArchitektInnen geprüft, korrigiert und freigegeben. Die Verantwortung bleibt immer beim Menschen, der für das Endprodukt gerade stehen wird.
4. GAEB-Export und Weiterverarbeitung
Das fertige LV wird als GAEB-Datei (DA83/X84) exportiert und kann direkt in jede gängige AVA-Software importiert oder über eine Ausschreibungsplattform versendet werden.
Was KI übernehmen kann
KI übernimmt die Routinearbeit bei der LV-Erstellung:
- Vollständige Positionstexte aus Bauteilbeschreibungen generieren
- Fehlende Positionen erkennen und melden
- Langtexte auf Basis von Gewerk, Norm und Projektparametern erstellen
- Dopplungen und widersprüchliche Einheiten prüfen
- Vorschläge aus alten Projekten des Büros lernen und anpassen
Was KI nicht übernehmen kann
KI ersetzt keine Fachkompetenz wie:
- die bauspezifische Beurteilung, ob eine Konstruktion so überhaupt sinnvoll ist
- die Abwägung zwischen Ausführungsvarianten mit unterschiedlichen Kostenfolgen
- die Haftungsverantwortung gegenüber dem Auftraggeber
- das fachkundige Gegenlesen bei komplexen oder ungewöhnlichen Bauleistungen
KI-gestützte LV-Erstellung funktioniert also nicht als "einmal klicken, fertig", sondern als strukturierte Zusammenarbeit zwischen System und ExpertIn.
Leistungsverzeichnisse mit KI automatisieren: Tipps zum Einstieg
Schritt 1 – Klein anfangen
Wähle ein Standardgewerk, das du regelmäßig ausschreibst, wie zum Beispiel Rohbau oder Trockenbau. Erstelle das nächste LV mit KI-Unterstützung und prüfe das Ergebnis. So lernst du, wo das System stark ist und wo du nachsteuern musst.
Schritt 2 – Wissensbasis aufbauen
Lade alte, qualitativ hochwertige LVs ins System. Je mehr Projektdaten vorhanden sind, desto besser passen die KI-Vorschläge zu deinem Bürostil und deinen Qualitätsstandards.
Schritt 3 – Interne Spielregeln definieren
Lege fest, wer KI-generierte Inhalte freigibt und wie Entscheidungen dokumentiert werden. Das schafft Klarheit und schützt vor Haftungsrisiken.
Schritt 4 – Prozess skalieren
Was bei einem Gewerk funktioniert, lässt sich schrittweise ausweiten. Nach einigen Projekten entsteht eine interne Wissensbasis, die das System immer treffsicherer macht.
Leistungsverzeichnis mit KI: Software Überblick
Wer sich mit dem Thema KI-Ausschreibung befasst, stößt auf vier verschiedene Ansätze.
Generische KI-Assistenten
ChatGPT, Claude & Co. können Texte formulieren und strukturieren. Für ein erstes LV-Gerüst oder einzelne Positionen durchaus nützlich. Aber: Sie kennen keine GAEB-Strukturen und keine aktuellen Normtexte. Was herauskommt, muss manuell ins übertragen werden und erzeugt oft mehr Arbeit als es spart.
Selbst gebaute Lösungen (Vibe Coding)
Ein wachsender Teil technikaffiner ArchitektInnen baut sich eigene KI-gestützte Tools: mit Claude, ChatGPT oder Cursor ein Skript gebaut, das z. B. LV-Positionen vorschlägt oder Normtexte durchsucht. Für einfache Anwendungsfälle funktioniert das gut, erfordert jedoch zusätzlichen Aufwand, der langfristig eingeplant sein will.
Klassische AVA-Software mit KI-Erweiterung
Etablierte AVA-Softwares integrieren zunehmend KI-Funktionen, etwa für die automatische Langtextgenerierung. Der Vorteil: Das passiert direkt in der gewohnten Umgebung. Allerdings ist KI oft nur ein Add-on – nicht Kern – und die Tiefe der Unterstützung variiert stark.
KI-Plattformen
Bei KI-Plattformen ist die KI im Kern der Software verankert und damit die Grundlage des gesamten Workflows. Statt einzelne Schritte zu automatisieren, greifen KI-Agenten auf alle Projektdaten zu: bisherige LVs, HOAI-Abrechnung, Baudokumentation.
Phase0 ist nach diesem Prinzip gebaut: KI-Beta-Tester werden.
Fazit: Was KI im Architekturbüro kann
Wer ein LV vollständig manuell schreibt, verschenkt Zeit, die in Projektkoordination, Qualitätssicherung oder schlicht in Feierabend investiert sein könnte. Die passenden KI-Tools sind inzwischen da, der Einstieg ist niedrigschwellig und der Nutzen messbar.
Wer einmal sieht, wie viel Zeit KI im LV spart, stellt unweigerlich die nächste Frage: Wo läuft sonst noch Routine, die ein KI- System genauso gut erledigt? Die Antwort: fast überall in LPH 6-9: Bautagebuch, Besprechungsprotokoll oder die Rechnungsprüfung sind alles strukturierte Eingaben und damit die perfekten Aufgaben für KI-Unterstützung.
Das Ziel sollte allerdings kein Robotorbüro sein, sondern ein Büro, in dem ArchitektInnen das tun, wofür sie ausgebildet wurden: entwerfen, koordinieren, beraten – nicht tippen.












