KI-Kodex Architektur 2026: Die 7 Kernthemen im Überblick

KI-Kodex Architektur im Überblick
- Der KI-Kodex der Architektenschaft ist ein berufsständisches Regelwerk, das die Bundesarchitektenkammer (BAK) unter Federführung der Architektenkammer Berlin 2026 veröffentlicht.
- Er gibt Architekturbüros Orientierung für den verantwortungsvollen KI-Einsatz und ruht auf sieben Kernthemen: menschliche Verantwortung, Zuverlässigkeit und Transparenz, Datenschutz und Urheberrecht, Baukultur und Kreativität, faire und inklusive Nutzung, Nachhaltigkeit, sowie Berufsbild und Fortbildung.
- Rechtlicher Rahmen ist der EU AI Act, der seit August 2024 schrittweise wirksam wird.
Die Bundesarchitektenkammer entwickelt 2026 einen eigenen KI-Kodex für Planende. Wir haben uns die sieben Kernthemen angeschaut und einsortiert, was sie für den KI-Einsatz im Architektur- und Ingenieurbüro bedeuten.
KI-Nutzung in deutschen Architekturbüros
Die Architektenbefragung 2025 der Bundesarchitektenkammer zeigt die aktuelle Lage:
- 29 % der Architektinnen und Architekten in Deutschland nutzen KI-Tools im Büroalltag.
- Künstliche Intelligenz im Architekturbüro konzentriert sich bisher auf Text-, Kommunikations- und Recherchearbeiten.
- 77 % wünschen sich Fortbildungsangebote zum Thema.
Angesichts des hohen Durchschnittsalters vieler Büroinhaberinnen und -inhaber und zahlreicher anstehender Büroübergaben sei die schleppende KI-Adoption ein Warnsignal für die Zukunftsfähigkeit kleinerer Büros – so BAK-Präsidentin Andrea Gebhard.
Der rechtliche Rahmen: EU AI Act und Berufsverbände
Der EU AI Act sieht ausdrücklich vor, dass Berufsverbände eigene Verhaltenskodizes für ihren Bereich entwickeln. Für Planungsbüros heißt das: Die allgemeinen EU-Regeln werden in einen Rahmen übersetzt, der zur Realität der HOAI Leistungsphasen 1-9 passt.
Hinzu kommt die EU-Schulungspflicht seit Februar 2025: Wer KI im Berufsalltag einsetzt, muss nachweislich verstehen, wie und warum.
Die neuen Spielregeln: KI Kodex der Architektenschaft
Mit dem KI-Kodex gibt sich die Planungsbranche erstmals ein eigenes Regelwerk für den Umgang mit KI. Entwickelt wurde er von der Ad-hoc-Gruppe KI der Bundesarchitektenkammer, federführend durch die Architektenkammer Berlin.
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Die 7 Kernthemen des KI-Kodex Architektur
1. Menschliche Verantwortung: Human-in-the-Loop
Human-in-the-Loop bedeutet die verbindliche Einbindung menschlicher Prüfung in KI-gestützte Abläufe. Das zentrale Prinzip: KI kann beschleunigen, vorbereiten und analysieren, während die fachliche Beurteilung und die finale Entscheidung bei den Planenden bleiben.
Beispiel: Ein KI-Agent, der eine LV-Grundstruktur erzeugt oder ein Bautagebuch aus Sprachnachrichten zusammenstellt, liefert einen Vorschlag, kein Ergebnis. ArchitektIn oder IngenieurIn müssen prüfen, korrigieren und freigeben können – der Workflow muss das aktiv ermöglichen.
„KI wird die Architektur verändern – aber sie wird Planer nicht ersetzen."– Eva Holdenried, Vorstandsmitglied Architektenkammer Rheinland-Pfalz, im Deutschen Architektenblatt, 07.05.2026
2. Zuverlässigkeit und Transparenz
KI-Tools müssen nachvollziehbar arbeiten. Woher kommen die Daten, auf denen ein Vorschlag basiert? Welche Annahmen stecken in einer Kostenberechnung? Bei Streit über Leistung, Honorar oder Mängel muss rekonstruierbar sein, wie ein Ergebnis zustande kam.
3. Datenschutz, Datenhoheit und Urheberrecht
Der Kodex fordert, dass die Kontrolle über projektbezogene Daten bei den Planenden verbleibt.
Die zentralen Fragen:
- Wer ist urheberrechtlich verantwortlich für einen KI-gestützten Entwurf?
- Fließen Projektdaten in Trainingsdaten Dritter?
- Welche Rechte gelten an den Ergebnissen?
Für die Tool-Auswahl ist das die Gretchenfrage: Eine Plattform, die Projektdaten zum Modelltraining für Dritte nutzt, ist mit diesem Prinzip schwer vereinbar.
4. Baukultur und Kreativität
Wenn alle dieselben Bildgeneratoren mit denselben Trainingsdaten nutzen, wird Architektur sichtbar gleichförmiger. Modelle, die auf unausgewogenen Datensätzen trainiert wurden, können deshalb zu einer Vereinheitlichung von Stilen führen – was es zu vermeiden gilt.
5. Faire und inklusive KI-Nutzung
Der Kodex fordert qualitativ überzeugende, kostengünstig zugängliche Lösungen und gezielte Schulungsangebote. Die Branche besteht überwiegend aus kleinen und mittelgroßen Büros. KI darf nicht zum Luxus großer Konzerne werden.
6. Nachhaltigkeit
Wer KI als Nachhaltigkeitswerkzeug einsetzt, sollte die Infrastruktur dahinter ehrlich in die eigene Bilanz einbeziehen. Denn: KI kann z. B. bei der Materialoptimierung und Lebenszykluskostenanalyse helfen, verursacht aber selbst erheblichen Energie- und Ressourcenverbrauch.
7. Berufsbild und Fortbildung
Mit KI werden Routineaufgaben automatisiert, aber neue Kompetenzen gefordert. Die Fortbildungswerke der Länderarchitektenkammern, Hochschulen und betriebliche Schulungen werden damit zur Schlüsselinfrastruktur.
„Wir können KI nicht länger von der Seitenlinie beobachten, dafür sind die Entwicklungen zu schnell." — Philipp Eichstädt, se·g architekten Berlin, in der Deutschen BauZeitschrift
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Checkliste: KI-Tools nach den Kriterien des KI-Kodex auswählen
Praktisches Prüfraster für die KI-Software-Auswahl im Planungsbüro:
- Human-in-the-Loop: Sind KI-Ergebnisse prüfbare Vorschläge, die bearbeitet und freigegeben werden müssen? Oder werden Entscheidungen automatisch festgeschrieben?
- Zuverlässigkeit und Transparenz: Lässt sich rekonstruieren, auf welcher Grundlage ein Ergebnis entstand (Pläne, IFC-Daten, Referenz-LVs)? Werden Ergebnisse gegen VOB und DIN geprüft, und Abweichungen sichtbar markiert?
- Datenschutz, Datenhoheit und Urheberrecht: Bleiben Projektdaten im Büro? Werden sie für Modelltraining Dritter verwendet? Ist die Server-Infrastruktur DSGVO-konform und idealerweise in der EU?
- Baukultur und Kreativität: Liefert das Tool stilistisch eigenständige Ergebnisse oder produziert es generische Vorschläge, die alle Büros in dieselbe Richtung drücken? Bleibt die gestalterische Entscheidung bei den ArchitektInnen?
- Faire und inklusive Nutzung: Funktioniert das System auch ohne IT-Abteilung, ohne Installation und ohne lange Einarbeitung? Sind die Kosten für kleine und mittlere Büros tragbar?
- Nachhaltigkeit: Macht der Anbieter transparent, mit welcher Infrastruktur die KI betrieben wird? Wird der Einsatz so dimensioniert, dass nicht für jede Mini-Aufgabe ein Großmodell läuft?
- Berufsbild und Fortbildung: Stellt der Anbieter Schulungsmaterial, Webinare oder Dokumentation bereit, die Nutzerinnen und Nutzer befähigen, KI-Ergebnisse fachlich einzuordnen?
Bonus-Frage, die alle sieben Punkte verbindet:
- Integration statt Insellösung: Greift die KI auf den realen Projektkontext zu oder bleibt sie ein isoliertes Werkzeug neben der eigentlichen Arbeit?
Wie Phase0 den KI-Kodex in der Praxis umsetzt
Phase0 ist die KI-Plattform für Architektur- und Ingenieurbüros, die von der Kostenplanung und Ausschreibung (AVA) über Honorarabrechnung und Zeiterfassung (HOAI) bis zur Baudokumentation alle Prozesse miteinander verbindet.
Die Kodex-Prinzipien decken sich mit dem Produktansatz:
- KI als Assistenz, nicht als Autopilot. Der AVA-Agent erzeugt Leistungsverzeichnisse und prüft Langtexte auf VOB- und DIN-Konformität. Das KI-Bautagebuch wandelt Sprachnachrichten und Fotos in strukturierte Tagesberichte um. Zwei Beispiele, bei denen immer gilt: Die KI liefert einen Entwurf und Planende entscheiden, prüfen und ergänzen.
- Projektkontext statt Black Box: Phase0 ist das System of Record, in dem Projektkosten, Honorarabrechnung und Baustellendokumentation zusammengefasst werden. Wenn der KI-Agent eine Kostenschätzung nach DIN 276 erstellt oder ein Bautagebuch zusammenfasst, greift er auf die Projektdaten des Büros zu. Das macht Ergebnisse nachvollziehbar und Entscheidungen rekonstruierbar.
- Zugänglich gebaut: Browserbasiert, ohne Installation, auf jedem Betriebssystem. Phase0 ist speziell für kleine und mittlere Büros entwickelt, die den Großteil der Branche ausmachen.
Wer die KI-Agenten von Phase0 ausprobieren möchte, gerne als Beta-TesterIn anmelden.
FAQ – Häufige Fragen zum KI-Kodex Architektur
Quellen
Dieser Artikel basiert auf öffentlich publizierten Beiträgen der Bundesarchitektenkammer, der Architektenkammer Berlin sowie aktuellen Fachinterviews im Deutschen Architektenblatt und der Deutschen BauZeitschrift.
- Dr. Gloria Gaviria: KI-Kodex für die Planungsbranche: Ein Kompass für die Praxis. Deutsches Architektenblatt, 13.04.2026.
- Eva Holdenried im Interview mit Lena Pröhl: KI und Architektur – Fluch oder Segen? Deutsches Architektenblatt, 07.05.2026.
- Philipp Eichstädt: KI – Zwischen Perfektion und Überraschung. Deutsche BauZeitschrift, 19.12.2024.
- Bundesarchitektenkammer: Architektenbefragung 2025: KI, Teilzeit und Bürokratie prägen den Berufsalltag. Pressemitteilung, 05.11.2025.
- Bundesarchitektenkammer: KI-Bericht 2025 (PDF).
- Bundesarchitektenkammer: KI in der Planung – 10 Fragen, 10 Antworten.
- Architektenkammer Berlin: Digital Talks – Impulse für den KI-Kodex.
- Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland: Praxiskodex für Künstliche Intelligenz für allgemeine Zwecke veröffentlicht. 10.07.2025.









